AKTUELLES

Neue Bilderserie:

Erzählungen eines Blumenstraußes

(Tales of a bouquet)

No. 4

Erzählungen eines Blumenstraußes – IV – Tales of a bouquet IV

Wieder einmal blockierten die Lastwagen eines Filmteams beide Straßenseiten auf 200 Metern.  Wieder ein Tatort-Dreh? Ich trat aus dem Haus, meinen lädierten Tulpenstrauß in der Hand, edel schienen sie noch, die gefüllten bordeauxroten und weißen Tulpen, dick wie Pfingstrosen. Ein Catering-Junge wies mir den Weg zum Nebeneingang des Botanischen Gartens:  „Sie drehen gerade auf den Tulpenbeeten! Dort spielt die Musik!“ Da wurde ich Zeuge einer merkwürdigen Szene.  Stalin, etwa Mitte 50, oder zumindest ein äußerst echt wirkender Schauspieler, der Stalin verkörperte, trug seine Tochter in den Armen. Sie ließ sich wie ein nasser Sack hängen, und er stapfte rücksichtslos durch das Tulpenbeet mit den wunderschönen roten und weißen Tulpen. Was wollte der Regisseur damit vermitteln? Ich kannte das berühmte Foto, er mit seiner Tochter, ein scheinbar liebevoller Vater, sie mit bewunderndem Lächeln, etwa 1937 gemacht.  Die Schauspieler bekamen die Szene nicht hin wie auf dem Foto, er blickte brutal, packte sie mit seiner Pranke wie mit einer Kralle, sie lächelte nicht, sondern erstarrte vor Schrecken. Wussten die Schauspieler, dass das Foto wurde gemacht wurde, als er hunderte seiner Gegner in den Moskauer Schauprozessen verurteilen und später liquidieren ließ? Und als die Ukraine systematisch ausgehungert wurde? Was sollte dieses Filmarrangement? Was wollte der Regisseur? Die Widersprüchlichkeit seines Charakters hätte man auch weniger drastisch vermitteln können.  Ich entschloss mich zu einer Handlung, die ich später bereute. Ich nahm den Tulpenstrauß, der so gut zu dem ganzen Beet passte, als hätte Stalin ihn selbst daraus gepflückt, drückte ihn dem Stalindarsteller in die Hand, immerhin verhalf ich ihm damit zum Abflug eines Lächelns. Der Regisseur nickte: „Toller Einfall, und jetzt weiter durchs Beet stapfen!“

 

Tales from a bouquet – IV

Once again the trucks of a film company blocked both sides of our street. Another detective movie? A catering boy showed me the way to our botanical garden:  „Go straight on, they are shooting a scene on the tulip beds!“ I still hold the used bouquet with red and white tulips in my right hand. In the middle of the tulip bed I saw Stalin with his daughter, I knew the famous photo from 1937, or better: the actors representing Stalin and his daughter. Instead of a smiling she looked like terrified. What was the intention of the director? To demonstrate the contradiction of his caracter? It was just the year of the climax of the Moscow political trials and of the  forced famine in the Ucraine. I took my tulip bouqet and handed it to the Stalin-actor. „Great idea“, the director shouted, „and now continue to go on through the tulip bed!“

Tales of a bouquet 3:

Erzählungen  eines Blumenstraußes III  – tales from a bouquet  III

Ich nahm die schon etwas lädierten Tulpen und stieg in die 2. Etage hoch. Dort wohnte seit ein paar Tagen ein Schauspieler, mehr wusste ich nicht. Ich klopfte. „Komm rein, die Tür ist nur angelehnt!“ Er saß auf einem Stuhl, hatte vor sich eine Puppe – oder war es die Miniaturausgabe eines etwa dreijährigen Knaben? – in einem rätselhaften höfischen Kostüm, als wäre die Gestalt aus einem Gemälde von Goya entsprungen. Probte er für eine Dramenszene? Ich fand den Anblick so merkwürdig, dass ich ihm mit ein paar blassen Worten schnell die Tulpen in die Hand drückte, um sie loszuwerden.  Bloß raus aus dieser Wohnung.

 

I took the bouquet of tulips and climbed to the second floor, where since some days an actor was living.  I knocked at the door. „Come in, the door is open!“ The man sat on a chair, a doll of one meter – or was it a miniature version of a three years old boy? – between his legs, in a rare archaic court costume, as if he had sprung out from a painting of Goya.  I found this sight so strange that I gave him the bouquet, murmured some polite words, and left the room in a hurry.

 

 

 Was war vorher passiert? Das war die Zeit, als ich einen Blumenstrauß nach dem anderen zeichnete, malte, zeichnete, malte. Ob der alte Musiker in der Wohnung über mir über mir sich über den Strauß mit bordeauxroten und weißen Tulpen gefreut hatte? Von oben hörte ich ein Poltern und ein Aufschlagen eines massigen Körpers. Ich rannte hoch, der Alte ließ seine Tür immer offen, für den Fall, dass ihm etwas passierte.  Er lag am Boden, neben ihm eine leere Flasche Rotwein. Die Blumen waren vom Sessel gerutscht. „Nimm Sie mit, ich kann sie sowieso nicht gebrauchen, habe keine Vase!“ lallte er,  ich verstand es erst, als ich mich zu ihm hinunterbeugte.

Erzählungen eines Blumenstraußes (1-2)  (Tales of a bouquet, 1-2)

 

Georg hatte den opulenten Tulpenstrauß für eine besondere Gelegenheit gekauft: 10 weiße und 10 bordeauxrote, alle gefüllt, als wären sie Pfingstrosen.  Abends wollte er sie seiner Frau überreichen, wenn sie zur Tür hereinkommen würde. Bis dahin wurden sie zwischengelagert in einer Vase auf dem Nierentisch mit der schwarzen Glasplatte.  Auf dem Weg vom Balkon warf er mit der großen Gießkanne den Strauß zu Boden und tränkte den anatolischen Teppich.  Die IKEA-Vase  ging in Scherben. Das war für ihn nicht weiter schlimm.  Aber der Strauß!  Konnte er für sie einen neuen besorgen, wenn der Laden am Plätzchen noch auf hatte?  Er klaubte die Blumen mit seinen klobigen Händen zusammen, arrangierte sie auf der Glasplatte neu, strich das bereits zerknüllte Papier glatt, umgab die Tulpen damit und stieg drei Treppen hoch zu dem alten Musiker, der dort schon lange wohnte, als sie vor 12 Jahren in das Haus gezogen waren. Der Mann saß, die knochigen Hände verkrampft aneinander gepresst, auf einem weißen Designersofa, das so gar nicht zu ihm passen wollte. Georg wollte ihm den Strauß überreichen, doch der Mann veränderte seine Handhaltung nicht. So stellte  er ihm den Strauß zwischen die geöffneten Schenkel, die  Blumen machten geduldig mit, was ihnen angetan wurde, und der alte Mann blickte weiter stoisch auf den Bildschirm. (Bilder 120 x 100 bzw. 130 x 100, alle 2017)

(Weitere folgen)

Nächste Ausstellung:

GRENZENLOS

HERZLICHE EINLADUNG ZU DER AUSSTELLUNG

GRENZENLOS - BEGEGNUNGEN IN EUROPA UND ASIEN

ERÖFFNUNG AM SONNTAG, 28.5. 2017, 16 - 20 UHR

IM BÜRGERHAUS STOLLWERCK, Dreikönigenstr. 23, Köln

Zehn Malerinnen und Maler aus Frankreich, Deutschland, Indien, Indonesien und Japan stellen vom 28. Mai bis zum 25. Juni 2017 im Bürgerhaus Stollwerck zu Köln gemeinsam ihre Bilder aus. Sie stehen mit ihrer Kunst zugleich symbolisch für Europa und Asien.

 

Seh- und Malweise der Künstlerinnen und Künstler, so unterschiedlich sie auch sein mögen, verbindet eine Besonderheit: die Europäer sind durch viele Reisen in Asien, die Asiaten durch Studium und langjährigen Aufenthalt in Europa geprägt, ohne ihre Verankerung in Kultur und Kunst ihres jeweiligen Herkunftslandes aufzugeben. Dies zeigt sich sowohl in der Wahl der Bildmotive als auch in der Maltechnik und künstlerischen Ausgestaltung der Bilder.

 

Auf zahlreichen Reisen in asiatische Länder – Indien, Myanmar, Indonesien und Nepal – hielt ich in den letzten Jahren  Alltagsszenen in Skizzen und Fotos fest. Im Atelier wurden die Eindrücke dann verarbeitet, entstanden aus Skizzen und Fotos Bildkompositionen.

 

In dieser Ausstellung bin ich mit Alltagsszenen aus Indien vertreten.  Meine Bilder sind realistisch gemalte Momentaufnahmen von Menschen bei der Arbeit und im Straßengeschehen, bei Festen und religiösen Zeremonien. In den ausgestellten Indienbildern kommt es mir darauf an, skizzenhaft, mit lockerem Pinselstrich einen besonderen Moment einzufangen, in dem sich Leben verdichtet.

Eines meiner Bilder mit Alltagsszenen aus Indien

BAUARBEITERIN IN EINEM TEMPEL IN TAMIL NADU, SÜDINDIEN, 2014


Kunst trifft Literatur

Ein CROSSOVER VON KUNST UND LITERATUR  zum BUCH FÜR DIE STADT 2016, dem Roman von Margriet de Moor "Erst grau dann blau dann weiß" - mit über 20 Mitwirkenden - Malerei, Fotografie, Grafik, Objekt, Installation sowie Lesung aus dem Roman und von eigenen Texten zum Buch.

ART FACTORY - Köln-Dünnwald, Dünnwalder Mauspfad 341. Do, 10.11.2016, 19:30 Uhr. 


Noch zu sehen:

Von den Rändern der Welt

Kunstverein Wesseling, Vernissage: So, 30. Oktober, 16 Uhr

DU SUCHST ETWAS IN DER FREMDE..... UND FINDEST DAS FREMDE IN DIR


Daedalus  und  Ikarus   als Zeitreisende

Die Geschichte von Daedalus und Ikarus enthält so viele Verästelungen, dass sie geradezu nach modernen Ergänzungen verlangt. Drei Bilder aus meiner Serie über die beiden Gestalten. Sie nehmen sich die Freiheit zu modernen Transformationen. I: Ikarus siehst sich einen Youtube-Film über den richtigen Gebrauch der Flügel an. II: Ikarus versucht Jesus das Fliegen beizubringen.  III: König Kokslos auf Sizilien tröstet Daedalus über den Verlust des Ikarus. 

 

The story of Dadalus and Ikarus is so full of different plots that it demands modern additions. Three paintings from my series about these tragical characters are free for modern transformations. I: Ikarus watches a youtube-clip about the correct use of the wings. II: Ikarus is trying to teach Jesus Christ how to fly. III: King Kokalos from, Sicily consolates Dadalus for the death of his son Ikarus.  


Vorführung: Druck eines Farbholzschnittes

Am Sonntag, 18.9. 2016, 16 Uhr im Rahmen der offenen Ateliers in der ART FACTORY Köln-Dünnwald (Dünnwalder Mauspad 341). Interessenten willkommen!


Aktuelle  Ausstellungen

Offenes Atelier in der art factory  köln-dünnwald 17./18.9.

Eine Wand in meinem Atelier mit FARBHOLZSCHNITTEN. Am Sonntag, 18.9. findet um 16 Uhr eine Druckvorführung statt. Interessenten sind herzlich eingeladen. Siehe auch die Einladungskarte der ART FACTORY.


Ausstellung "parallel" im bbk Kunstforum Düsseldorf

DIE BBK-VERBÄNDE DÜSSELDORF UND BONN-RHEIN-SIEG HABEN SICH VERABREDET, 

ausgewählte Künstler mit ihre Arbeiten in jeweils den anderen Städten zu zeigen.

Eine spannende Ausstellung erwartet Sie. Ich bin mit zwei Arbeiten aus der Serie "BESPAßUNGSAPPARATE" vertreten.

Vernissage am Do., 8.9. Nähere Einzelheiten siehe Einladungskarte.

Eröffnung der Ausstellung PARALLEL am 8.9., mit Künstlern des BBK Bonn, hier vor zwei Bildern aus der Serie der 'Bespaßungsapparate'.


Offene Ateliers 2016 am Sa., 17. und So., 18. September

Am Samstag, 17.9. und Sonntag, 18.9. 2016 lade ich Sie/Euch ganz herzlich ein, mein/unser Atelier in der ART FACTORY Köln-Dünnwald, Dünnwälder Mauspad 341 zu besuchen. Über 20 weitere Ateliers im Hause, einer ehemaligen Brotfabrik, sind an diesen Tagen geöffnet. Es gibt ein vielfältiges Programm.

 

Nähere Einzelheiten siehe Einladungskarte.


Leider schon vorbei:

druckfrisch 2016

AUSSTELLUNG MIT GANZ FRISCHER DRUCKGRAFIK  IN DER VHS BERGISCH GLADBACH

Hier werden von Helmut Kesberg Kaltnadelradierungen gezeigt, die noch nie vorher ausgestellt wurden (angefertigt 2016). Einige der Bilder sind in meiner Grafikabteilung zu sehen. Hier eine Kostprobe.

SUBSTITUTIONEN - Aus der Serie "Bespaßungsapparate". Kaltnadelradierung, Plattenmaß 25 x 20 cm, Aufl. 4. WEITERE AUS DIESER SERIE IN DER GRAFIK-ABTEILUNG!

Die Radierungen mit dem Titel „Bespaßungsapparate“ handeln, wie die zugehörige Serie von Zeichnungen und Gemälden,  von unparadiesischen Zuständen. Sie zeigen Menschen in unheimlichen, uneindeutigen Situationen, wie auf einer Bühne, in einem Irrgarten von Bizarrem und Groteskem. Was sehen wir, was phantasieren wir? Sind die „Bespaßungsapparate“ Therapiegeräte oder dienen sie zu Menschenversuchen?  Vertrautes, Komisches schlägt plötzlich um in Gefährliches, Gruseliges. In ihrer Vieldeutigkeit sind die Bilder ein Spiegel der unübersichtlichen Situation des Menschen in der Welt: festgezurrt in der Zwangsjacke der Bilderfluten, umstellt von Bildschirmen, als Objekt im Versuchslabor immer neuer Heils- und Glücksversprechen mit Glückspillen gefüttert.


No Paradise

Ausstellung im künsterforum Schau-fenster, erftstadt

14.11. - 29.11. 2015: No Paradise - Bilder und Zeichnungen

Ausstellung "NO PARADISE"

 mit Bildern von Irmgard Esch und Helmut Kesberg, Köln

im Künstlerforum SCHAUFENSTER, Erftstadt, vom 14.11. - 29.11. 2015

Eröffnung am Samstag, 14.11., 17 Uhr, Öffnungszeiten: Di-So 14.11. - 29.11. 2015, 15 - 17:30 Uhr; Finissage mit Künstlergespräch: So, 29.11. 2015, 17 Uhr

 

Die NO PARADISE-Gemälde und Zeichnungen von  Helmut Kesberg, 2015 entstanden, werden hier erstmals ausgestellt. Sie handeln von unparadiesischen Zuständen, zeigen Menschen in unheimlichen Nischen der Gesellschaft, in uneindeutigen Situationen, wie auf einer Bühne des absurden Theaters, in einem Irrgarten von Bizarrem und Groteskem. Was sehen wir, was phantasieren wir? Heilbehandlungen, Menschenversuche oder Bespaßungsapparate?  Die Bilder verwandeln sich in unseren Köpfen in Kippfiguren. Vertrautes, Komisches schlägt plötzlich um in Gefährliches, Gruseliges. In ihrer Vieldeutigkeit sind die Bilder ein Spiegel der unübersichtlichen Situation des Menschen in der Welt: festgezurrt in der Zwangsjacke der Bilderfluten, umstellt von Kameras und Bildschirmen, als Objekt im Versuchslabor immer neuer Heils- und Glücksversprechen mit Glückspillen gefüttert.

Hier die Einladungskarte


Letzte Ausstellungen

Ausstellung "Deep Black"  in Chester/England

Ausstellung mit aktueller Druckgrafik mit Arbeiten von Künstlern aus England, Deutschland, Serbien

16. Nov. - 11. Dez. 2016

Hier waren meine Dschungel-Holzschnitte ausgestellt.

AUSSTELLUNGSANSICHT         Fotos: Pete Clarke


Ausstellung "Indian Moments"

Im Rahmen der 7. Kölner Indien-Woche werden in der Kunsthalle Lindenthal vom 14.6. bis zum 28.6. die von den Indien-Reisen der letzten Jahre inspirierten Bilder von Helmut Kesberg und Irmgard Esch gezeigt.

Eröffnung: So., 14.6., 11 Uhr.

In den Bildern von Irmgard Esch stehen Arbeitsszenen im Vordergrund, sowohl auf den farbenfrohen Märkten als auch im Wäscherviertel in Mumbai oder rund um einen Tempel. Ihre Malerei bewegt sich auf der Grenze von Gegenständlichem und Nicht-Gegenständlichem, sie wandert von der Oberflächlichkeit des Sinneseindrucks zum dahinterliegenden Rätsel. Helmut Kesbergs Bilder sind realistisch gemalte Momentaufnahmen von Menschen bei der Arbeit und im Straßengeschehen, in den für Indien charakteristischen Farben und in seinem flirrenden Licht. In den Indienbildern kommt es ihm darauf an, skizzenhaft einen besonderen Moment einzufangen.


Ausstellung "Zwischen den Linien" - Farbholzschnitte, Bonn,  26.4.-25.6. 2015

In der Ausstellung werden 40 Farbholzschnitte aus den Jahren 2012-2015 gezeigt.  Besonders hinzuweisen ist auf das Werkstattgespräch am Di., 23.6., in dem anhand von Beispielen die Entstehung dieser Farbholzschnitte erläutert wird. Thema sind auch die aktuellen Tendenzen des Holzschnittes in Deutschland und darüber hinaus.